... was fehlt im Interview!

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Wie-stehen-Rostocks-Chancen-fuer-die-BUGA-2025,nordmagazin52792.html

 

Das komplette Interview dauerte vor der Kamera mindestens 5 Minuten und als die Kamera aus war,

haben wir uns noch mindestens über den Sinn bzw. mehr den Unsinn der BUGA 2025 unterhalten.

Bei der Ausstrahlung der Sendung Nordmagazin am 15.06.2018 blieb eine paar Sekunden dauernde Sequenz des Interviews der Kritiker „umrahmt“ mit einem Betrag vorher und nachher mit einem Interview der Organisatoren bzw. Befürworter der IGA. So funktioniert das mit der gezielten Meinungssteuerung in den Medien.

Was von unseren Kritikpunkten zur BUGA 2025 in und nach dem Interview nicht gesagt wurde:

1.   Die BUGA wurde alleine im Rostocker Rathaus beschlossen. Rostocker Bürger, die nicht zu

       den Informationsveranstaltungen ins Rathaus gehen konnten, da sie entweder nichts von

       diesen Terminen mitbekommen haben, durch Beruf, Familie oder anderen Gründen nicht

       dorthin gehen konnten, haben keine Möglichkeit sich an einer öffentlichen Diskussion zu

       beteiligen.

       In der Stadt Rostock sollte die Stadt ein stetig verfügbareres öffentliches Informations- und

       Diskussionsforum eingerichtet werden.

2.    In ein BUGA-Konzept gehört nicht die Etablierung eines neuen Wohngebietes. Kritikwürdig ist

        das geplante Wohngebiet „Warnow-Quartier“ auch deshalb, weil es ausgerechnet dort

        gebaut wird, wo ein dichter lang gewachsener Baumbestand ist, der dann gerodet werden

        muss.

3.    Mit der BUGA 2025 erhält die Innenstadt eine parallele Infrastruktur, wie sie auf der IGA

        schon existiert: Ausstellungshalle, Konzertbühne, Gartenschau-Gelände. Das hat System,

       denn die Stadt Rostock will die IGA nicht entwickeln, sondern abwickeln, um dort u.a. 2

       Wohngebiete errichten zu können!

4.   Hypermoderne Glaspaläste gehören nicht in den Stadthafen. Dort gehören niedrige Bauten

      im hanseatischen Stil, so dass im Stadthafen ein hanseatisch maritimer Stil beibehalten wird.

      So hat das Archäologische Landesmuseum und die geplante Markhalle so nichts im Stadthafen

      zu suchen.

      Statt zur Hansesail, Oster- und Pfingstmärkten nur Provisorien zu installieren, sollte im

      Stadtpark ähnlich dem Designer Outlet Center Neumünster Verkaufs- Ausstellungs- und

      Veranstaltungshäuser gebaut werden, die zur hanseatisch maritimen Geschichte Rostocks

      auch Bezug haben, was durch eine liebevoll und abwechslungsreiche Gestaltung der Fassaden

      Ausdruck findet.

5.  Die BUGA 2025 hat keine wirklichen Attraktionen zu bieten. Wir glauben kaum, dass sich

      Touristen, insbesondere die Kreuzfahrt-Touristen, vom größten Sport- und Spielplatz

      mit Riesenrutschen, Kinderseilbahn und BMX-Track auf das BUGA-Gelände locken lassen.

      Schon gar nicht mehrfacht. Rostock sollte insbesondere den Stadthafen und die Warnow

      mit außergewöhnlichen Attraktionen, die ein Berlin, Hamburg und Bremen nicht zu

     bieten hat. Eine Markthalle und ein Archäologisches Museum sind garantiert keine

     wirklichen Besuchermagneten, das schon gar nicht langfristig nach der BUGA und außerhalb

     der Events, wie z.B. Hansesail, Oster- und Pfingstmarkt.

6.  Die Fußgänger- und Fahrradbrücke vom Stadthafen nach Gehlsdorf soll nach bisherigen

      Schätzungen ca. 17 Millionen Euro kosten. Diese Brücke würde maximal 170 Tage während

      der BUGA 2025 genutzt. Danach würden gelegentlich einige Gehlsdorfer diese Brücke wirklich

      ihrem Zweck entsprechend zu Passage nutzen. Die Hauptnutzung der Brücke dann würde

      durch Besucher des Stadthafens als Aussichtsplattform auf die Warnow und auf die Stadt sein.

      Da die Brücke kostenlos genutzt und wird somit niemals refinanziert. Im Gegenteil: Sie wird

      weiter Kosten generieren, weil sie durch ein Spezialisten-Team regelmäßigen Inspektionen

      unterzogen und gewartet werden muss.

      In diesem Falle wäre das Konzept der „Neptun Hopper“, hochmodernen elektrisch betriebenen

      Fähren, eine wirkliche Alternative!

      (In unserem nächsten Beitrag werden wir in Kürze ausführlich das Thema „Neptun Hopper vs.

        Brücke“ behandeln.)

7.  Der scheidende Oberbürgermeister Roland Methling hat 178 Millionen Euro Schulden der

     Stadt Rostock abgebaut und wird sie somit Ende 2018 vollständig schuldenfrei gemacht haben.

     Unser momentaner 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters und gleichzeitig Finanzsenator

     der Stadt Rostock, Herr Dr. Müller-von Wrycz Rekowski, will mal gleich wieder für ca. 170

     Millionen Euro neue Kredite aufnehmen, damit er 9 Großvorhaben mit einem

     Gesamtinvestitionsvolumen von 500 Millionen Euro (eine halbe Milliarde Euro!!!) durchführen

     kann. Daraus soll ein Defizit im Stadthaushalt von „nur“ 40 Millionen Euro entstehen.

     Ursprünglich war aber nur die Rede von der Entwicklung des Stadthafens zusammen mit

     der BUGA 2025, für die auch schon ein Defizit von 15 Millionen Euro vorausgesagt sind.

     Herr Dr. Müller von Wrycz Rekowski wird sich sicherlich im kommenden Jahr als Kandidat

     zur Oberbürgermeisterwahl stellen. Wehe uns Rostockern und unseren Kindern, wenn er

     die Wahl tatsächlich gewinnen sollte…

     Die Überschüsse der Stadt Rostock, mit denen die Stadtpolitiker die wahnsinnig

      teuren Prestige-Projekte bezahlen will, kommen von den kommunalen Firmen, vor allem

      von der WIRO, von den Stadtwerken, von der RSAG usw.

      Andererseits steigen stetig die Preise für kommunale Dienstleistungen wie Mieten,

      Müllgebühren, Warmwasser- und Heizkosten, die Fahrpreise des städtischen Nahverkehrs

      usw.

8.  Viele Großprojekte, auf die sich die Stadt bis 2027 konzentrieren möchte, sind Prestige-

      Objekte, die in erster Linie ein Geschenk an die Immobilienlobby der Stadt sind und die man

      sich erst mal leisten können muss.

      Die Stadt Rostock hat in erster Linie kommunale Verpflichtungen für die Allgemeinheit. In

      dieser Richtung gibt es keine Großprojekte wie z.B. die Sanierung von Schulen, Sporthallen

      und  Kindertageseinrichtungen. Gerade Kindergarten und -krippen-Plätze gibt es zu wenig in

      der Hansestadt. Lange Wartelisten sind die Folge. Zudem müssen Eltern lange Fahrzeiten in 

      Kauf nehmen, weil sie immer seltener das Glück haben, im gleichen Stadtteil, in welchem sie

      wohnen, einen Kinderbetreuungsplatz zu bekommen.

      Zudem wurde ja in Schwerin beschlossen, dass ab ca. 2020 hauptsächlich die Kommune für die

      Kinderbetreuungskosten aufzukommen hat, um die jungen Familien finanziell zu entlasten.

      Wurde das schon im langfristigen Haushaltsplan berücksichtigt?

      Und Traum vom kostenlosen Schülerticket in Rostock dürfte dann wohl auch wieder in die

      Ferne rücken – Da wird es dann wieder heißen, dass angeblich kein Geld da ist und dass

      Rostock sich das finanziell nicht leisten kann.

 

In diesem Sinne

i.A. Andreas Schäfer

Rostocker Tradischiff-Freunde.

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